Hier ein kleiner Einblick in die Vereinsgeschichte

Die Geschichte der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Godorf reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Laut Protokoll fand das erste Schützenfest zu Godorf am St. Servatiustag, Sonntag, dem 16. Mai 1852, statt. Es bestand aus dem Preisvogelschießen und einem anschließenden Tanzball. Jedes Mitglied war verpflichtet, an der Mütze ein kleines Waldhörnchen zu tragen. Außerdem sollten sich sämtliche Schützen mit einer Büchse im Vereinslokal einfinden.

Schon in den frühen Protokollen treten immer wieder Namen auf, die auch heute noch in Godorf bekannt sind und einen guten Klang haben. Diese Männer, längst verstorben, sahen es als Ehre an, der Schützenbruderschaft anzugehören. Sie pflegten Kameradschaft, Zusammenhalt, Frohsinn und Geselligkeit, in guten wie in schweren Zeiten. Damit legten sie den Grundstein für eine Gemeinschaft, die bis heute Bestand hat.

Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit mit dem Ort zeigte sich im Jahr 1888. Auf Bitten des damaligen Pfarr-Rektors übernahmen Mitglieder des Schützenvereins Godorf in manueller Arbeit das Ausgraben der Erdmassen für die Fundamente der neu zu errichtenden Kirche in Godorf. Dies macht deutlich, dass die Bruderschaft von Beginn an nicht nur ein Verein für Feste und Brauchtum war, sondern auch Verantwortung für das Gemeindeleben übernahm.

Am 8. Juni 1901 fand eine große Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen der Schützenbruderschaft statt. An diesem Tag konnten zwei Schützenbrüder zugleich ihr 50-jähriges Vereinsjubiläum feiern: Herr Peter Liermann und der Ehrenpräsident Herr Peter Mürriger. Dieses Jubiläum zeigte eindrucksvoll, wie stark die Bindung vieler Mitglieder an ihre Bruderschaft war.

Der Erste Weltkrieg brachte einen tiefen Einschnitt. Am 2. August 1914 wurde die letzte Versammlung vor Kriegsbeginn abgehalten. Ein großer Teil der Schützen erhielt die Einberufung zum Kriegseinsatz. In dieser schweren Zeit beschloss die Bruderschaft einstimmig, die Angehörigen der einberufenen Schützen zu unterstützen. Die im Felde stehenden Soldaten erhielten Liebespakete im Wert von 2,00 Reichsmark. Auch unter schwierigen Bedingungen blieb der Gedanke der gegenseitigen Hilfe lebendig.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges fanden wieder Versammlungen statt, und die Bruderschaft organisierte sich neu. Das Vereinsleben nahm Schritt für Schritt wieder Gestalt an.

Am 8. November 1938 wurde der bis heute in Godorf bekannte Christian Heeg in die Bruderschaft aufgenommen. Nur kurze Zeit später begann mit dem Zweiten Weltkrieg erneut eine Zeit voller Angst, Not und Unsicherheit. Ab 1939 konnte das Vereinsleben nicht mehr wie gewohnt durchgeführt werden. Angesetzte Versammlungen mussten wegen Fliegeralarms und Fliegerangriffen abgebrochen werden.

Auch nach Kriegsende blieb die Lage schwierig. Im Oktober 1946 wurde die Schützenbruderschaft zum zweiten Mal von der Militärregierung verboten. Erst im Januar 1947 wurde sie wieder zugelassen. Am 7. November 1948 konnte schließlich die erste Vollversammlung nach dem Krieg einberufen werden. Die Kassenbücher und Protokollbücher wurden wieder in Ordnung gebracht, und der alte Vorstand wurde von der Versammlung bestätigt. Damit begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Bruderschaft.

Ein besonderer Höhepunkt war das 100-jährige Jubiläumsfest im Jahr 1951. Am Samstag, dem 7. Juli 1951, begann das Fest im Vereinslokal Stahl. Zur Eröffnung sang der MGV Godorf von 1891 unter der Leitung von Dirigent Theo Breuer. Nach einem ausgiebigen und geselligen Abend fand in den frühen Morgenstunden das traditionelle Wecken statt. Nach dem gemeinsamen Kirchgang begaben sich die Schützen zum Ehrenmal, wo der Verstorbenen mit einer Kranzniederlegung gedacht wurde. Mit dem großen Festzug und dem Königsschießen am Montag fand das Jubiläumsfest seinen würdigen Abschluss.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Bruderschaft weiter. Ein besonderer Höhepunkt der Vereinsgeschichte war das Jahr 1969. Zum Schützenfest wurde Bernhard Wolf Schützenkönig. Am 6. September 1969 errang er den Titel des Bezirkskönigs, und am 4. Oktober 1969 wurde er in Bad Godesberg Bundeskönig. Durch zahlreiche Empfänge und Auftritte wurde die Bruderschaft in diesem außergewöhnlichen Jahr weit über die Grenzen Godorfs hinaus bekannt.

Im Jahr 1976 wurden die ersten Schritte zur Eintragung in das Vereinsregister eingeleitet. Nach der Erstellung einer neuen, vereinsregisterkonformen Satzung wurde auch der Antrag auf Gemeinnützigkeit beim Finanzamt gestellt. Damit wurde die Bruderschaft organisatorisch auf eine zeitgemäße Grundlage gestellt.

Ein lang gehegter Wunsch war der Bau eines eigenen Vereinsheims. In den folgenden Jahren gab es zahlreiche Bemühungen, ein solches Vereinsheim zu planen und zu verwirklichen. 1984 beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung den Kauf eines gebrauchten Holzhauses mit einer Fläche von 200 Quadratmetern. Doch erst 1991 wurde der Traum Wirklichkeit. Mit Unterstützung der Stadt Köln und durch den Einsatz der Mitglieder entstand in wenigen Monaten ein Vereinsheim mit Schießstand. Im November 1991 wurde das Vereinsheim eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Durch den Erbbaupachtvertrag mit der Stadt Köln wurde die Nutzung des Grundstücks für die nächsten 50 Jahre gesichert.

In den Folgejahren wurde das Vereinsheim immer wieder modernisiert. 1997 wurde das Gebäude mit Vollklinkerstein eingefasst, neue Fenster wurden eingebaut, und durch eine schallhemmende Tür mit Stahlträgeraufhängung wurde der Schießstand weiter verbessert.

Ein weiterer besonderer Moment folgte am 14. September 1996. Robert Sieck errang in Troisdorf beim Bundeskönigsschießen den Diözesankönigstitel. Auch dieses Ereignis brachte der Bruderschaft viele Auftritte, Begegnungen und eine starke Präsenz über den Ort hinaus.

Mit Blick auf das 150-jährige Bestehen trafen sich am 11. Januar 1999 erstmals 19 Mitglieder, um einen Festausschuss zu gründen. Ein engagierter Kern hielt durch und arbeitete mit großem Einsatz daran, ein würdiges Jubiläumsfest auf die Beine zu stellen. Gegen Ende tagte der Festausschuss alle 14 Tage, sammelte neue Ergebnisse, plante, organisierte und bereitete das Jubiläum mit großem Engagement vor.

Die Geschichte der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Godorf ist jedoch nicht allein eine Abfolge von Jahreszahlen, Festen und Würdenträgern. Sie ist ebenso die Geschichte von Familien, die über Generationen hinweg das Vereinsleben getragen, geprägt und weiterentwickelt haben. In der wiederkehrenden Nennung bestimmter Namen spiegeln sich Kontinuität, Engagement und eine tiefe Verbundenheit mit der Bruderschaft.

Besonders deutlich wird dies bei der Familie Züll. Über mehrere Jahrzehnte hinweg finden sich Mitglieder dieser Familie in unterschiedlichen Funktionen wieder, als Schützenkönige, Jungschützenprinzen und Schützenliesel. Die wiederholte Übernahme von Würden und Aufgaben zeigt eine starke familiäre Verwurzelung im Vereinsleben und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und Traditionen fortzuführen. Besonders hervorzuheben ist Wolfgang Züll, der über viele Jahre Geschäftsführer des Bezirksverbandes Brühl war.

Die Familie Schneider gehört ebenfalls zu den prägenden Namen der jüngeren Vereinsgeschichte. Neben der Stellung von Majestäten übernahmen Mitglieder dieser Familie Führungsaufgaben innerhalb der Bruderschaft. Die Verbindung von repräsentativen Ämtern und organisatorischer Verantwortung verdeutlicht ihre wichtige Rolle im Vereinsgefüge.

Auch die Familie Rosen ist in verschiedenen Bereichen des Vereinslebens präsent. Neben der Stellung von Würdenträgern engagierten sich Mitglieder dieser Familie auch über die Bruderschaft hinaus auf Bezirksebene. Dies zeigt, dass einzelne Familien nicht nur für den eigenen Verein, sondern auch für das übergeordnete Schützenwesen von Bedeutung waren und sind.

Weitere Namen wie Klein, Schall, Blettner oder Peters kehren ebenfalls mehrfach in den Reihen der Würdenträger zurück. Sie stehen beispielhaft für die generationenübergreifende Beteiligung am Vereinsleben. In vielen Fällen lassen sich innerhalb einer Familie mehrere aktive Mitglieder gleichzeitig oder in aufeinanderfolgenden Generationen nachweisen. So wird sichtbar, wie Tradition, Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein weitergegeben wurden.

Diese familiären Kontinuitäten bilden ein wesentliches Fundament der Bruderschaft. Sie sorgen für Stabilität, bewahren gewachsene Strukturen und tragen zugleich zur Weiterentwicklung des Vereins bei. Die wiederholte Übernahme von Ämtern und Würden innerhalb einzelner Familien ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer gelebten Vereinskultur, in der Engagement und Zusammenhalt von Generation zu Generation weitergegeben werden.

So zeigt sich: Die Geschichte der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Godorf wurde nicht nur von einzelnen Persönlichkeiten geschrieben. Sie wurde vor allem von Menschen und Familien getragen, die über lange Zeit Verantwortung übernommen haben. Ihre Namen sind untrennbar mit der Entwicklung der Bruderschaft verbunden und bilden ein lebendiges Band zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Auch für die Zukunft bleibt es eine wichtige Aufgabe, neue Mitglieder und Förderer zu gewinnen, die sich für die Bruderschaft, für das Schützenwesen und besonders für den Nachwuchs einsetzen. Denn nur durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, kann eine Tradition lebendig bleiben. Die St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Godorf blickt dankbar auf ihre Geschichte zurück und zugleich mit Zuversicht nach vorn.